Die Morgenlandfahrt by Hermann Hesse

By Hermann Hesse

In German. Hermann Hesses Erzählung berichtet von dem Geheimbunde der Morgenlandfahrer, der die in allen Völkern und Zeiten zerstreute Gemeinschaft der Gläubigen, der Träumer, Dichter, Phantasten darstellen soll, symbolisch in ein gleichzeitiges Schicksal zusammenfaßt. Günter Eich

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Ich will doch nur normal sein!

Erschütternde Grausamkeiten musste sie miterleben und wurden ihr selbst angetan. Schwer vorstellbar und nicht zu fassen, dass Menschen dazu fähig sind, solches Leid zuzufügen. In Ihrem Bericht beschreibt Tina J. nicht nur die Grauen erweckenden Erlebnisse, sondern vor allem sich selbst und ihre inneren Zustände, vor und während ihrer therapeutischen Behandlung.

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Wo ist eine Mitte der Ereignisse, ein Gemeinsames, etwas, worauf sie sich beziehen und was sie zusammenhält? Damit etwas wie Zusammenhang, etwas wie Kausalität, etwas wie Sinn entstehe, damit überhaupt irgend etwas auf Erden erzählbar werde, muß der Geschichtschreiber Einheiten erfinden: einen Helden, ein Volk, eine Idee, und muß das, was in Wirklichkeit im Namenlosen passiert ist, dieser erfundenen Einheit geschehen lassen. Aber wenn schon dies so schwierig ist, eine Anzahl wirklich geschehener und beglaubigter Ereignisse zusammenhängend zu erzählen, so ist es in meinem Fall noch viel schwieriger, denn alles wird zweifelhaft, sobald ich es recht genau betrachten will, alles entwischt und löst sich auf, so wie unsre Gemeinschaft, das Stärkste auf der Welt, sich hat auflösen können.

Gerade diese besten Erlebnisse lassen sich eigentlich nur dem erzählen, welcher selbst von ihrem Geist berührt war; sie klingen in meiner Darstellung arm und vielleicht töricht; aber jeder, der die Tage von Bremgarten miterlebt und gefeiert hat, wird mir jede Einzelheit bestätigen und durch hundert schönere ergänzen. Wie beim Mondaufgang aus den hohen Bäumen die Schweife der Pfauen schimmerten, und am beschatteten Ufer zwischen den Felsen die emportauchenden Wasserfrauen süß und silbern glänzten, und einsam unterm Kastanienbaume beim Brunnen der hagere Don Quixote stand und die erste Nachtwache hielt, indessen überm Schloßturm die letzten Leuchtkugeln des Feuerwerks so sanft in die Mondnacht sanken, und mein Kollege Pablo, mit Rosen bekränzt, vor den Mädchen die persische Rohrflöte spielte, wird mir immer im Gedächtnis bleiben.

Ich fragte den Diener Leo, warum das wohl so sei, daß die Künstler manchmal nur wie halbe Menschen erschienen, während ihre Bilder so unwiderleglich lebendig aussähen. Leo sah mich an, verwundert über meine Frage. Dann ließ er den Pudel los, den er auf dem Arm getragen hatte, und sagte: »Bei den Müttern ist es auch so. « »Das ist aber traurig«, sagte ich, ohne eigentlich viel dabei zu denken. »Ich denke, es ist nicht trauriger als alles andre auch«, sagte Leo, »es ist vielleicht traurig, und es ist auch schön.

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